Westernsättel mit Festem Holzbaum oder Anpassbar?

Bei Westernsätteln gibt es verschiedene Philosophien und Produktionssysteme. Viele Westernreiter sind daher verunsichert oder wissen einfach nicht, welches Systeme für sie das Beste ist. Daher wollen wir in diesem Artikel objektiv die einzelnen Systeme miteinander vergleichen.

Anpassung über den Baum

Allgemeines: Bei Westernsätteln erfolgt die Anpassung – anders als bei den meisten Dressursätteln – über den Baum. Das heißt der Baum gibt die Weite vorne und den Schwung vor, sowie die Wickelung der Bars. Der Baum muss also exakt passen, da es keine Möglichkeit gibt, mit einem Polster den Schwung des Sattels oder die Lage des Schwerpunkts im Nachhinein zu verändern.

Hier wollen wir auf folgende Technologien eingehen:

  1. Westernsättel mit individuellem Holzbaum
  2. Westernsättel mit festem Kunststoffbaum, aber verstellbarer „Kammerweite“ (nicht im Schwung)
  3. Westernsättel mit individuellem Kunststoffbaum, veränderbar in „Kammerweite“ und Schwung und Wickelung der Auflagepanels

1. Westernsättel mit individuellem Holzbaum

Die meisten Westernsättel werden mit einem festen Holzbaum gefertigt. Der Holzbaum ist später entweder nicht (bei den meisten Modellen) oder nur mit viel Aufwand (bei einigen höherwertigeren Modellen) erneut anpassbar.

Um einen passenden Sattel zu einem Pferd zu bekommen muss der Baum sowohl in der Weite vorne als auch im Schwung zum Rücken des Pferdes passen, da bei einem Westernsattel die Anpassung nur über den Baum vorgenommen wird und nicht mit einer Polsterung (wie bei einem Dressursattel) später nachgebessert werden kann.

Dazu gibt es zwei grundlegende Möglichkeiten die Anpassung vorzunehmen:

Baukastenprinzip

Viele Sattelhersteller verwenden hierbei das „Baukastenprinzip“. Hierbei werden verschiedene Normen gesetzt (zum Beispiel: Weite 1 – 5, Schwung 1 – 5 usw.) und daraus wird dann ein passender Baum für das Pferd zusammengestellt.

  • Vorteil: Der Baum kann so individuell zusammengestellt werden.
  • Nachteil: Kein Pferd entspricht genau „Typ 3“, sondern ist immer individuell. Damit passt der Baum in den allerwenigsten Fällen zu 100 %.


Individualfertigung

Sehr hochwertige Sättel mit Holzbaum werden individuell gefertigt. Hierbei wird der Pferderücken 3D vermessen und der Holzbaum exakt auf dieses Pferd hergestellt exakt in Weite, Schwung und Länge.

  • Vorteil: Der Sattelbaum kann immer vollkommen an das Pferd angepasst werden, ohne Restriktionen durch verschiedene Typen.
  • Nachteil: Diese Art der Fertigung ist natürlich deutlich teurer als das „Baukastenprinzip“.

2. Westernsättel mit verstellbarem, standardisierten Kunststoffbaum

Andere Sättel können durch die Verwendung eines Kunststoffbaumes vorne die Breite der Schulter einstellen. Damit kann der Sattel immer wieder, auch nach der Herstellung in der Weite verändert werden.

Durch die Verwendung eines Standard-Kunststoffbaumes erfolgt eine Anpassung des Schwungs nicht.

  • Vorteil: Immer veränderbare „Kammerweite“ durch den flexiblen Kunststoffbaum.
  • Nachteil: Die Anpassung erfolgt nur in der Breite der Schulter, alle anderen Aspekte können damit nicht angepasst werden.

3. Westernsättel mit verstellbaren, individuellen Kunststoffbäumen

Ein weiteres Prinzip setzt ebenfalls auf einen Kunststoffbaum. Dies hat ebenso den Vorteil, dass die Weite der Schulter mittels eines im Baum verbauten Eisens jederzeit vorne verstellt werden kann und durch die individuell angebrachten Auflagepanels auch jederzeit hinten an die Rundung des Pferdes.

Zudem wird bei der Herstellung der Schwung des Baumes exakt auf das Pferd angepasst und kann auch später noch angepasst werden.

  • Vorteil: Voll verstellbares System.
  • Nachteil: Deutlich teurer als Westernsättel mit standardisierten Bäumen.


Für wen ist welches System am besten geeignet?

Unserer Meinung nach gibt es nicht „das beste System für alle“, sondern jedes System hat seine Berechtigung.

Wir wollen also nicht herausarbeiten, welches System das Beste oder das Schlechteste ist, sondern wir wollen herausfinden für welches Pferd und für welchen Reiter, welches System unserer Meinung nach zu empfehlen ist und hierbei genau die Gründe erarbeiten.

Das Ausgewachsene Pferd im Training

Zuallererst stellt sich die Frage, warum ein Reiter überhaupt einen nicht anpassbaren Sattel haben will. Wenn es schon Modelle gibt die in jeder Hinsicht anpassbar sind, dann sollte man doch die nehmen, oder nicht?

Die Antwort ist nicht so einfach, denn auch feste Bäume haben ihre Berechtigung, ein Beispiel: Wenn Du ein Pferd hast, das ausgewachsen ist und gut im Training steht und nicht zu erwarten ist, dass es noch großartige Änderungen am Gebäude, der Statur oder dem Trainingszustand gibt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein perfekt angepasster Sattel in der Zukunft nicht mehr passt, gering.

Denn auch bei festen Bäumen hat man geringfügig Möglichkeiten mit Pads / Unterlagen auszugleichen. Leichte Änderungen wie zum Beispiel von Winter zu Sommer lassen sich so wunderbar ausgleichen.

Der Baukasten Sattelbaum für das ausgewachsene, gut trainierte Pferd:

Da sich das Pferd vermutlich nicht mehr verändert, kann man getrost einen Baum mit dem Baukastenprinzip verwenden. Der Vorteil liegt eindeutig im Preis und in der individuellen Anpassung (wenn auch nicht 100 %) des Baumes.

-> Für das ausgewachsene, gut trainierte Pferd ist dieser Sattel eindeutig eine Option. Der individuell gefertigte Maß-Sattelbaum Die bessere (aber deutlich teurere Variante) bei einem festen Sattelbaum ist die Maßanfertigung mit 3D Vermessung. Der Baum kann hier perfekt angepasst werden ohne Kompromisse.

Der Nachteil, dass eine Verstellung zumindest sehr aufwendig ist, fällt weg, weil sich das Pferd in der Regel nicht mehr verändert.

Der individuelle Sattelbaum für das ausgewachsene, gut trainierte Pferd:

-> Für das ausgewachsene, gut trainierte Pferd ist ein individuell maßangefertigter Sattelbaum hervorragend geeignet.

Der Standardisierte Sattelbaum für das ausgewachsene, gut trainierte Pferd:

Der Vorteil dieses Systems ist die Vorstellbarkeit in der Weite. Der Nachteil ist die fehlende Anpassung im Schwung.

Da sich das Pferd vermutlich nicht mehr ändert, ist der Vorteil weniger wichtig, dagegen der Nachteil weiterhin vorhanden.

-> In diesem Fall besser zu einem preisgleichen Baukastensystem greifen oder mehr Geld investieren für einen Maßbaum

Fazit: Die Wahl würde hier eindeutig zum Baukastenprinzip gehen (wenn es etwas günstiger sein soll) oder zum individuellen Baum als teure Premiumlösung.

Das junge Pferd / bzw. noch nicht austrainierten Pferden

Bei jungen Pferden oder Pferden, die noch nicht austrainiert sind, hat man oft das Problem: Soll man einen billigen Sattel nehmen und den dann immer wieder tauschen? Oder einen perfekt angepassten Sattel nehmen damit das Pferd von Beginn an perfekt angeritten wird.

Gehen wir die einzelnen Optionen durch:

Der Baukastensattel für das Junge Pferd

Auch wenn diese Art Sattel günstiger ist als die anderen Varianten, verschenkt werden sie nicht. Zwar kann der Sattel zu Beginn gut angepasst werden, aber dass er für immer passt, ist hier praktisch ausgeschlossen.

Eine Alternative wäre hier eines der sogenannten „Jungpferdeprogramme“ bei denen Sättel im Laufe des Pferdelebens mehrfach getauscht werden können.

Allerdings muss sich dann das Pferd und der Reiter auch immer wieder auf einen neuen Sattel einstellen und der Kostenvorteil ist damit meist dahin.

-> Für Jungpferde oder Pferde die nicht voll im Training stehen nur bedingt geeignet.

Der Maßsattelbaum für das Junge Pferd

Hier können wir es unserer Meinung nach kurz machen: Warum einen perfekten und teuren Sattel auf ein Pferd bauen lassen das sich schon in wenigen Monaten ändern kann? Kosten und Nutzen sind hier eher in einem schlechten Verhältnis.

-> Für Pferde, die sich noch verändern ist das eher weniger eine Option.

Der starre Kunststoffbaum mit verstellbarer Weite

Der Nachteil dieses Sattels ist der nicht anpassbare Schwung. Der Vorteil ist die Verstellbarkeit der Weite. Bei Jungen Pferden ändert sich häufig auch der Schwung, bei Pferde die stärker trainiert werden aber eher nur die Breite der Schulter.

Auch muss man sagen, dass der Sattel eben immer wieder gestellt werden kann, wenn auch nur in der Weite, aber so kann man den Sattel zumindest immer wieder in etwa auf den aktuellen Stand der Schulterbreite stellen.

-> Eine günstige Alternative, die bei veränderten Pferderücken Sinn macht, wenn auch keine 100 % Lösung.

Der individuell anpassbare Kunststoffbaum für junge Pferde

Dieses System kann hier seine Vorteile voll ausspielen. Der Sattel kann angepasst werden, auch wenn sich das Pferd, wie auch immer verändert und kann immer wieder auf den neuen Stand gebracht werden.

Einziger Wermutstropfen: Das System ist deutlich teurer als der (nur in der Weite) verstellbare Sattel.

Fazit: Wenn es günstiger sein soll, dann fällt die Wahl auf den in der Weite verstellbaren Kunststoffbaum, bei entsprechendem Budget ist der individuell verstellbare Sattelbaum die Premium Variante und damit das beste für das Pferd in diesem Falle.

Pferde in anderen Altersklassen

Wir könnten hier noch unzählige weitere Fallbeispiele anbringen. Was aber am Ende immer der allerwichtigste Punkt sein wird ist: Ändert sich das Pferd in der Zukunft mehr oder weniger deutlich oder nicht? Bleibt das Pferd in etwa im aktuellen Trainingszustand oder sind hier noch starke Schwankungen zu erwarten?

Ist das Pferd ausgewachsen oder ist noch ein Wachstumsschub zu erwarten?

Und entsprechend kann die Wahl des Sattels ausfallen.

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